Schon lange wollte ich nach Kufstein - jetzt habe ich es geschafft. Ich bin schon so oft mit dem Zug oder dem Bus vorbeigefahren und konnte die Festung nur von dort, mehr schlecht als recht, fotografieren. Also habe ich bei meinem Mini-Österreich Tripp 2 Nächte hier gebucht. Vom Bahnhof sind es nur ein paar Schritte über den Inn in die Altstadt.
Dort bin ich im Auracher Löchl einquartiert, einem richtigen Traditionshaus. Es hat seinen Namen der alten Kufsteiner Bürgerfamilie namens Auracher zu verdanken, die seit dem 13. Jahrhundert in Kufstein lebte und dort eine Bierbrauerei betrieb. Der Grundstein des Hauses wurde im Jahr 1410 gelegt, als ein Stollen (das Löchl) zur Lagerung von Eis tief in den Berg getrieben wurde.
Das Auracher Löchl erlangte übrigens auch durch das „Kufsteiner Lied“ von Karl Ganzer, dem Hausmusikanten des Wirtshauses, weit über die Grenzen Tirols hinaus Berühmtheit.
Da es Heute noch heißer war als Gestern - ab Morgen wird es angeblich endlich kühler - habe ich meine Gästekarte gleich für die Auffahrt mit dem Kaiserlift genutzt. Der Einer-Sessellift bring einen sehr entschleunigt ins Kaisergebirge.
Es gibt einen Zwischenstopp, und nach ca. 30 Minuten ist man bei der Bergstation Brentenjoch auf rund 1.256 Höhenmetern. Die Aussicht ist super und es gibt einiges zu erwandern. Das habe ich aufgrund der Hitze aber ausgelassen - ich kenne meinen Körper, bei über 30 Grad bin ich eigentlich nicht lebensfähig.
Ich bin nur zur nächsten Hütte spaziert, habe einen Apfelstrudel verspeist (ich könnte ein Buch über die besten Apfelstrudel und Gulaschsuppen Österreichs schreiben) und die Aussicht genossen.
Die ersten Funde menschlicher Besiedlung im Kaisergebirge reichen übrigens 4000 bis 5000 Jahre zurück. Hierbei handelt es sich um bronzezeitliche Keramik in der Tischofer Höhle. Früher wurde die Höhle schon von steinzeitlichen Jägern besucht - und von Höhlenbären. Es gibt Funde von Lautscher Spitzen, die ein Alter von etwa 27.000 bis 28.000 Jahren aufweisen. Man kann diese und andere Funde im Museum auf der Festung sehen (da war ich natürlich auch)
Wieder im Tal angekommen, bin ich dann einen netten Weg 20 Minuten ins Zentrum marschiert. Von diesem Weg aus hat man auch einen wunderschönen Blick auf die Festung von Kufstein.
Kufstein wurde im römischen Feldzug gegen die Rätier und Vindeliker 15 vor Christus eingenommen und den römischen Provinzen Rätien (Stadtteil Zell) und Noricum (restliche Stadt) zugeteilt, als diese in der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts gebildet wurden. Von dieser Zeit zeugen noch Spuren der alten römischen Militärstraße im Inntal. 500 Jahre lang stand das Gebiet unter römischer Herrschaft und wurde danach wiederholt von den Bayern besetzt.
Überhaupt die Bayern - mit denen haben wir uns immer um Kufstein und andere Besitzungen gestritten. Kufstein war lange Zeit Teil des bayerischen Herzogtums und kam erstmals 1342 als Brautgeschenk an Tirol, als Gräfin Margarete von Tirol (das ist die die den Beinamen Maultasch erhalten hat) den bayerischen Herzogsohn Ludwig den Brandenburger ehelichte. Leider ging Kufstein dann 1369 wieder retour an die nördlichen Nachbarn.
Kaiser Maximilian (ja da knüpfen wir an gestern an) hat uns Kufstein dann wieder zurück ins Habsburger Reich gebracht (Eine Geschichte von Verrat und Kampf) und die Burg zur Festung ausbauen lassen.
Der Spanische Erbfolgekrieg hat uns Österreichern dann nicht nur das spanische Erbe entrissen, die Bayern haben sich auch wieder Kufstein zurückgeholt. Dabei ist Kufstein abgebrannt und die Festung schwer beschädigt worden.
Das Herrscher-Wechsle-Dich-Spiel ging dann noch weiter, erst 1814 wurde Kufstein dauerhaft österreichisch. Da dadurch auch eine strategische Bedeutung verloren ging, wurde die Festung als Gefängnis für politische Gefangene genutzt. Die Zellen kann man im Kaiserturm besichtigen (ja im Turm, nicht im Keller waren die Gefangenen untergebracht).
Nach Sonnenuntergang konnte ich dann mein Wunschmotiv aufnehmen. Die beleuchtete Festung - einfach nur schön!
Da ich in Kufstein praktisch alles gesehen habe werde ich morgen zu Ausflügen in die Umgebung ausschwärmen. Was genau ich mir anschaue wird vom Wetter abhängig sein. Ab sofort sind Regen und Gewitter angesagt, die Planung der nächsten Woche wird also sehr kurzfristig gehalten.